Mittwoch, 22. August 2007

The Arches Nationalpark

Ein kurzer Check der Wettervorhersage zeigt, dass es mit heute 19 °C um 6 Uhr losgeht, dann um 10 Uhr hat es 27 °C und dann um 12 Uhr 33°C und um 14 Uhr hat es dann 36°C und es wird immer, immer wärmer! Nachdem wir nicht um 6 aufstehen wollten, haben wir für die semiwarme späte Vormittagszeit die Autorundfahrt und kurze Laufstrecken eingeplant.

Zuerst haben wir das "North" und das "South Window" besucht (die Karte vonm Park gib's hier), ein kurzer Weg führt an beiden Bögen vorei. Wirklich toll! Und das funktioniert so: durch Hebung entstehen lange Risse im Gestein. Durch Erosion werden die Risse breiter, es entstehen Steinwälle. Dann entstehen durch abbröckelndes Gestein Löcher in den Wällen, die durch Wind, Wasser und Eis zu großen Felsbögen werden können. Derzeit ind im Park 2000 solcher Bogen katalogisiert. Das Nordfenster seht ihr hier (mit Leuten zum Vergleich):


(Nordfenster - kuckkuuuck!)

Hinter dem Südfenster führt ein Trampelpfad durch die Wüste, man muss kleinen Felstürmchen folgen, so wie in Tibet. Wir finden das klasse und bauen auch gleich einen:


(kleiner Turm mit großen Geschwistern)

Gleich über den Parkplatz kann man nach einem Kilometer durch roten Sand den Doppelbogen bestaunen - krass! Es ist jetzt 12 Uhr und auf dem Rückweg zum Parkplatz treibt es uns den Schweiß gehörig auf die Stirn - und nicht nur dahin! Wir flüchten uns in unser klimatisiertes Gefährt. Am Sanddune Arch quälen wir uns noch mal raus...ok. Hübsch. Zurück ins Auto. Wir beschließen bis zum frühen Abend Siesta zu halten.

Um halb sieben finden wir uns am Wolf Ranch Parkplatz ein, leider mit einer ganzen Menge anderer Leute. Unser Plan ist nämlich, quasi das Gesicht des Parks, den Delicate Arch im Sonnenuntergang zu bewundern. Der 2 km lange Aufstieg kostet mich ganz schön Puste führt aber an der historischen Wolf Ranch vorbei (ein kleines Holzhäuschen). Weiter auf der Strecke wandert man über von Wind abgeschliffenen roten Sandstein, mit kleinen "Gärtchen" in Aushöhlungen in den sich Sand gesammelt hat. Man sieht auch Vorstufen von Bogen und kleinere Felsbögen. Schließlich erreichen wird das kleine Felsplateau und ganz alleine steht da dieser Delicate Arch. Wir freuen uns schon auf die tollen Farben beim Sonnenuntergang, nur leider haben wir nicht mit Horden von Touris gerechnet, von denen jeder Mal ein Bild von sich unter dem Bogen haben wollte. Das spielt sich so ab: "Jetzt gut?" "Hm, ja, na, ich mach ma noch'n Foto. Und noch eins. Ah...vielleicht ist dadrüben besser?" Und die Aussicht von direkt unter dem Bogen ist auch viel besser als von 2 m daneben, mal besser ein paar (langweilige) Fotos machen. Und hinlegen kann man sich unter dem Bogen auch ganz toll...vielleicht sieht's dann anders aus? Oh, mal den Typen dadrüben winken? Das war sehr, sehr anstrengend. Man hatte nur mal ganz kurze Augenblicke den Bogen ohne irgendeinen häßlichen Poser zu erwischen. Das hat aber doch mal geklappt:


(ah...)

Weiterreise nach Moab

Nach unserem Frühstück mit hausgemachtem French Toast (den kennen nicht mal die Franzosen) und vor der Abreise haben wir noch die Kolibris im Vorgarten fotografiert:


(bzzzbzzz...)

Wir nehmen die Route "Scienic Byway 12" von Panguitch bis zum Capitol Reef. Fünf Stunden Fahrt durch Utah's schönste Wüsten liegen vor uns. Panguitch, die alte Mormonenstadt, lassen wir schnell hinter uns, man kann aber einige hübsche Backsteinhäuschen im Vorbeifahren bestaunen. Dann folgt Tropic, ein kleiner Ort hinter dem Bryce Canyon. Schon von dort aus kann man die lachsfarbenen Klippen des Powell Points sehen. Anschließend folgt der Touri-Ort Escalante, bekannt für das Escalante Staircase Monument und das "Loch im Felsen". Von Elscalante brachen 1879 - 1880 etwa 200 Mormonen auf, um den Süden zu missionieren. Auf der direkten Route dorthin mußten sie 6 Wochen lang einen Felsen durchbrechen, um ihre 83 Planwagen durch zu schaffen.

Von dort geht's in engen Kurven über eine wilde Felshügellandschaft, manchmal geht's links und rechts gleichzeitig runter, huiiiiiii.


(Aktionshot aus dem Auto)

Nördlich von Boulder geht's dann bergauf über das Aquarius Plateau, angeblich eines der höhsten bewaldeten Plateaus der Erde. Von dort aus können wir bereits das Capitol Reef sehen.

An der Parkinformation des Capitol Reefs entscheiden wir uns für einen Guided Scienic Drive, man kann während des Fahres etwas über die dort abgelagerten Schichten erfahren, versteinerte Rippel eines Urzeitmeeres betrachten und Schluchten erkunden - das können wir leider nicht, denn wir dürfen mit unserem umweltfreundlichen Fahrzeug keine Dirt Roads fahren. Ausserdem weiß man auch nie zu welchen Streckenpunkt die Beschreibung im Heft gehört, die 2 Dollar für die Broschüre hätten wir uns wohl sparen können...Leider können wir auch gar nicht den Waterpocket Fold sehen, eine riesige Felspalte mit Wasser drin. Auf den Bildern sah das so cool aus! Mist, aber entweder braucht man hier Zeit zum Wandern (am besten auch nicht Mittags) oder einen Geländewagen.

Nach dem Canyon fahren wir viele Kilometer durch eine Wüsten-Mondlandschaft. Die Klimaanlage im Auto schafft es auch nicht mehr wirklich das Auto kühl zu halten. Die Wettervorhersage hat Temperaturen um die 36 °C angekündigt und die Sonne scheint :)

Schließlich erreichen wir Moab, unser Ziel. Hier wurde in den 50er Jahren Uran abgebaut, doch anscheinend war der Tourismus lukrativer als der Uranabbau, denn bereits 10 Jahre später wurden Nationalparks the Arches und Canyonlands erschlossen. Zum Sonnenuntergang machen wir noch einen Abstecher zum Arches Nationalpark und sehen die Sonne am Balanced Rock versinken.


(Sonnenuntergang am Balanced Rock)

Dienstag, 21. August 2007

Der Bryce Canyon

Also ma vorne weg: dieser Canyon ist super zum Wandern! Wir überlegen uns vom Bryce Point (hier die Karte) hinunter zur Peekaboo Loop zu laufen (obwohl diese Schleife auch von Muli-Touren benutzt wird). Dort hat man laut "Let's go Southwest" den besten Blick auf die Hoodoos (Felssäulen). Von oben sehen die roten und weißen Felssäulen jedenfalls total stark aus. Hier der erste Eindruck:


(Hoodoos, Pinnacles, ...)

Zuerst stellen wir fest, dass ein "strenuos hike" hier nicht mit strenuos hike am Grand Canyon vergleichbar ist (sondern viel einfacher ist). Wir schlängeln uns den Hang herab - es geht trotzdem sehr langsam, weil wir dauernd Fotos schießen müssen, hinter jeder Ecke lauert nämlich das nächste spektakuläre Bild! Ich bin hin und weg! Man sieht kleine Hoodoos, große Hoodoos, rote Schluchten, aus dem Fels gewaschene Bögen...stark! Auf dem Weg sehen wir sogar einen der seltenen Pairie Dogs. Wirklich!


(kein Eichhörnchen, sondern ein Prairie Hund!)

Natürlich komme ich nicht umhin öfter mal den Grand Teton Park anzusprechen und die Gründe, die zu seiner Namensgebung führten und wie man einen viel passenderen Namen für den aktuellen Park finden könnte...jaja. Das überlass' ich jetzt eurer Phantasie.


(???)

Und wonach sieht das aus, hm?!
Die Peekaboo Loop nehmen wir linksherum, denn wir können an den Hufspuren der Mulis ablesen, in welche Richtung sie laufen und wir haben vorher gelesen, wenn man ihnen hinterher läuft, dann trifft man seltener welche. Das hat gut geklappt - keine Mulis auf der ganzen Strecke. Trotzdem ihre Hinterlassenschaften waren deutlich zu sehen. Diese dienen, wir wir beobachten konnten, Vögeln und Eichhörnchen als Nahrungsquelle *iiiieh*.

Statt zurück zu laufen, nehmen wir die "Wall Street" hinauf zum Rand des Canyons. Diese Passage ist vor einer Woche wieder geöffnet worden, nachdem sie über ein Jahr wegen eines herabgestürtzten Felsbrockens geschlossen war. Glück gehabt! Die Strecke ist nämlich wirklich atemberaubend: man quetscht sich durch eine schmale Schlucht mit hohen Felswänden, es ist schattig und rot.


(schwer zu fotografieren, zu groß!)

Schade nur, dass wir das mit vielen anderen Touris teilen müssen (dummerweise auch noch die ganze Zeit rumbrüllen) *seufz*! Nachdem wir total schnell mit unserer Wanderung fertig waren, haben wir noch eben einen kurzen Abstecher in den Zion Nationalpark gemacht, der von Glendale direkt um die Ecke liegt. Im sanften Abendlicht fahren wir mit herunter gekurbelten Fenstern in die rosa Felswelt des "gelobten Landes" und lassen uns die laue Luft um die Nase wehen, während die Zikaden zirpen.


(Zion or Not Zion?)

Die Geschichte zum Park ist: Mormonen kamen in der Gegend an und einer meinte, alles sei so toll, das müsse Zion sein. Ein paar Jahre später kam ein Experte und stellte fest das ist "not Zion". Nachdem der Landstrich dann ein paar Jahre "not Zion" hieß, kamen einfach noch mehr Mormonen und am Ende heiß es dann wieder "Zion". Ist auch besser für den Tourismus, denken wir. Schön sieht's in jedem Fall aus.

Montag, 20. August 2007

Von Tusayan nach Glendale

Oh, das hatte ich gestern unterschlagen, in dem Touriort Tusayan waren wir Freitag abends noch zum Steakessen aus, gleich im Restaurant "Canyon Star" gegenüber. Es gab live Musik - Indianergesang und -tanz. Uns war das sofort wieder super peinlich, von wegen wir "Weißen" essen und die Indianer müssen tanzen. Und bedienen: die Angestellten des Restaurants waren ebenfalss eine bunte Mischung aus Mexikanern und Indianern. Die Tanzaufführung war dann besonders bizarr: es gab einen kleinen Jungen, der Neo-kreppband-Fransen an seinem Kostüm hatte und eine CD auf dem Kopf. Er war ausserdem noch mit ein paar Feder geschmückt...da haben wir uns gefragt ob dass Ausbeutung der Indianer ist oder ob die Indianer die Touris verarschen? Naja, was würden wir denn aufführen, wenn wir traditionelle deutsche Tänze zeigen sollten? Eben.


(im Hotel: ohne Worte)

Wir machten uns am nächsten Morgen wieder auf in den Grand Canyon National Park - wir fuhren entlang des Südrands nach Westen und haben noch die letzen Aussichtspunkte mitgenommen. Toll. Toll. Toll. Irgendwann hat man die Größartigkeit des Canyons dann auch satt, vorallem wenn man sie mit Horden an plärrenden, im Bild stehenden, nervigen Touris teilen muss. Und eigentlich ist es auch viel schöner zu wandern als sich an irgendwelchen Aussichtspunkten aus dem klimatisierten Auto in die brütende Heize zu quälen...ist voll anstrengend, echt!

Wir haben auch die Tusayan Ruinen angekuckt, ein Pueblan Volk lebte dort bis vor 800 Jahren, damals gab es am Canyon noch mehr Wasser, sodass sie Mais und Getreide anbauen konnten. Hm, das war dann 1300...die Häuser, die bei uns zu dieser Zeit gebaut wurden, stehen wenigstens noch! Nicht besonders beeindruckend, die Reste der Grundmauern von einem Speicher und einem kleinen runden Haus.

Nach einem letzten Toilettenstop am Desert View Point verlassen wir den Park Richtung Westen und fahren auf der 89 Richtung North Rim - einen Teil der Fahrt hab ich verschlafen, aber ich kann mich noch an schäbige Indianererschmuck und -Keramikstände am Strassenrand erinnern. Abundzu sassen Frauen drin und dösten vor sich hin. Nach Lake Jakob kamen wir auf eine große, genietete Stahlbrücke, Lee's Ferry, da es einen Fussgängerteil gab, sind wir kurz aus dem Auto und wurden direkt von der Sonne erschlagen. Wieviel Grad hat es hier eigentlich? 80? Ich fühle mich da immer wie ich denke, dass sich ein Vampir fühlen würde, wenn man ihn in die Sonne stellen würde, wenn ihr wißt was ich meine...


(gestreifte Hügel auf der Fahrt)

Nach 2 Stunden Fahrt sind wir in Glendale - am Ortseingang steht ein Sheriff-Auto und als wir im Vorbeifahren reinlucken, vermuten wir, der Sheriff im Auto schläft oder ist tot. Kein normaler Mensch hat den Kopf so komisch verdreht! Glendale ist ein winziger Ort nahe dem Zion National Park und etwa eine Stunde von Bryce Canyon weg. Wir steigen im historischen Smith's Bed&Breakfast ab, ein super niedliches, plüpschiges Hotelchen. Wir haben ein Stockbett, mit einen Plüschschaf im oberen Bett. Auf der Terasse balgen sich Kolibris um eine Tränke und der Hund des Hauses "Bandit" tollt durch den Garten, während die Hausherrin den Rasen unter den Obstbäumen wässert. Schööön. Wie eine kleine Oase.

Wir essen im Buffalo Bistro gleich nebenan zu Abend: ein medium rohes Büffelsteak mit Grillkartoffeln und Salat. Ich Greenhorn frage zunächst, ob ich das Steak auch well done haben könnte, woraufhin die Kellnerin mit dem Grillmeister zurückkehrt und beide mir deutlich machen, dass man "Wildfleisch" einfach nicht durchbraten kann, wegen des geringen Fettanteils. Gut, dann probiere ich das halbrohe Steak halt. Und: es war so gut!!! Die Kulisse war auch prima: es gab Mundharmonika-Gitarren-Musik und einen Sonnenuntergang, den man mit einem kühlen Bier auf der Terasse geniessen konnte. Leute, hier müsst ihr halten, falls ihr mal in der Gegend seid!


(Buffalo's Bistro mit Live Musik)

Sonntag, 19. August 2007

Tag 2 am Grand Canyon

Wir hatten große Pläne für den Freitag: eigentlich hatten wir uns den Kaibab Trail vorgenommen. Wir vermuten, dass dieser Hike mit dem Bright Angel Trail vergleichbar ist, nur dass man nach 3 Meilen am Skeleton Point umgekehren kann (Skeleton, wegen einiger abgestürtzter Wanderer, deren Skelette man ziemlich lange untenm im Canyon bewundern konnte). Da wir aber spät dran waren und der komplette Weg in der Sonne lag und zudem dort auch Mulis eingesetzt werden und wir sowieso noch vom Vortag ziemlich kaputt waren, haben wir uns spontan für einfacheren den Rim Walk entschieden.

Vom Parkplatz nahe des Trail Heads vom (Döner *höhö*) Kaibab Trail liefen wir also auf dem asphaltierten, rollstuhlgerechten Luxusweg Richtung Mather Point. Dort gab es aufregendes Wildlife zu beobachten:


(hmmm...lecker Beeren!)

Eine zu gemütliche Wegstrecke für uns Raubeine, deswegen entscheiden wir uns zur nächsten Gelegenheit den Shuttlebus nach Hermit's Rest zu nehmen. Leider gab es keine direkte Verbindung und wir mußten zwischendrin umsteigen. Dies gestaltete sich unerfreulich, denn es stand schon eine riesen schlange am Wartepunkt, in der prallen Sonne. Nachdem im Bus niemand im Bus stehen durfte, kamen wir weder in den ersten Bus, noch in den zweiten Bus rein - nach dem ein Ranger sagte wir müssen 10 min auf den Nächsten warten, beschlossen wir zu laufen und am nächsten Stop in den Bus zu hüpfen. Pfff, die müssen mal bei den Potsdamer Busfahrern Nachhilfe nehmen! Die hätten die Wartenden in einen halb so großen Bus locker reingebracht!

Auf der etwa 1 Meilen langen Strecke konnten wir wieder Condore beobachten. Schließlich hat's mit dem Bus doch geklappt und wir ließen uns bis nach Hermit's Rest bringen. Der "Hermit" war ein freundlicher, älterer Herr, der in den 20ern an heißen Tagen gerne aus dem Canyon (dort kann es dann locker 50 °C heiß werden) hinauf zum Rand kam, um sich abzukühlen. Er hat auch die ersten Besucher herum geführt und ihnen das Überleben in der Wildnis beigebracht und so. Jedenfall kann man von dort auf einem unbefestigten, schmalen Pfad direkt am Abgrund entlang jonglieren. Eine wahnsinnige tolle Aussicht, aber spätestens an der Abyss (wegen des Namens?) wurde es mir zu gruselig - der Weg war jetzt kaum zwei Fußbreit entfernt von 300 m tiefen Felsklippen. Nach der offiziellen Parkzeitschrift überleben ein Sturz darunter nur wenige Touristen. Huuuu! Dann zog auch noch ein Gewitter auf und nach den vielen geblitzen Bäumen am Canyon Rand machten wir uns schleunigst Richtung Bus auf - gerade rechtzeitig vor dem Platzregen hatten wir gemütliche Sitze am Fenster eingenommen.

Den letzten Rest zum Auto sind wir doch wieder zu Fuß gelaufen, denn der Regen war weiter in den Canyon hineingezogen. Dies bescherte uns nicht nur Klasse Fotos, sondern auch die Gelegenheit mehrere ortsansäßige, mutmäßliche Hirsch-Elch-Riesen-Knuddel-Wildtiere aus nächster Nähe zu beobachten. Überraschenderweise waren diese Tiere nicht sehr scheu, sondern haben genüßlich weiter an den hübschen, blühenden Büschen gefuttert: hier Aktion-Fotos.


(mei, liab!)

Samstag, 18. August 2007

Der Bright Angel Trail

Frohen Mutes begeben wir uns in Allerherrgottsfrühe an den Grand Canyon. Als verantwortungsbewußte Wanderer haben wir gelesen, dass man früh losgehen soll um nicht zwischen 9 - 14 Uhr wandern zu müssen, da das die Dangerzone ist. Zudem sind wir ausgerüstet mit Salzbrezeln, um den Elektrolythaushalt wieder herzustellen, wenn man viel schwitzt und trinkt. Wir haben auch Regenjacken, eine Schutzdecke, Sonnencreme, Hüte und natürlich gute Wanderschuhe. Alles bereit für einen Abstieg in die Wildnis.


(Ist er nicht schön, der Canyon ohne Touris auf Mulis?)

Vom Parkplatz des Bright Angel Trails beginnen wir also pünktlich um 8 Uhr das Abenteuer. Genauso wie eine Horde Mulis. Die Mulis tragen Tag für Tag Massen von faulen Touris den Trail hinab und wieder hinauf. Der Let's go Reiseführer beschreibt die Situation treffend mit "Be prepared to stand parched and exhausted as you yield and wave bitterly to tourists descending by mule train". Später werden wir erfahren, dass sie auch die Ranger Stationen unten im Canyon mit Wasser und Nahrungsmitteln versorgen - immerhin.

Der Ausblick ist wirklich atemberaubend: Man wandert entlang der Felskante hinab, nach einer kurzen Wegstrecke steht man vor einer riesigen Felswand, vielleicht an die 100 m hoch, aus orangem Sandstein. In einer kleinen Felshöhle nisten Raben. Wir wandern weiter bis zum 1.5 Meilen-Haus. Endlich eine Toilette! Beim Rasten entdecken wir in den Felsbrocken fossile Überreste von Muscheln und Schnecken. Bis jetzt lag die Strecke im Schatten der Felswände, aber als wir in den roten Bereich kommen, also da wo der Felsen rot ist, gibt es nur noch wenig Schatten. Es ist heiß. Das hat den Vorteil, dass die mit dem Felsen schön kontrastierenden grünen Mulihäufchen schneller trocknen. Wir fragen uns wiederholt, ob die stinkenden (riesen) Pfützen ebenfalls von den Mulis stammen und versuchen grob das Blasenvolumen eines Muli abzuschätzen - 20 l?


(Wer mag Touris auf Mulis?)

Wir vermuten schon, dass der Canyon durch die Ausscheidungen von Mulis entstanden ist. Die Broschüre, die man am Eingang des Parks erhält, erklärt aber der Canyon hat sich vor 5 - 6 Millionen Jahren gebildet. Die Gesteinsablagerungen bestehen zum großen Teil aus Sandstein und Kalkstein, wobei die oberste Schicht etwa 260 Millionen Jahre alt ist und die tiefste Schicht 1.8 Milliarden Jahre. Vor 70 Millionen Jahren wurde das Colorado-Plateau durch den Zusammenstoß tektonischer Platten um über 3000 m angehoben, aber ohne dass sich die Schichten verformt hätten. Der Colorado River schnitt sich in dieses Plateau, wobei Regen, Schnee und Eis die Erosion verstärkten. Man kann das Erosionsmaterial bis zum Golf von Kalifornien nachverfolgen. Heute ist der Canyon 446 km lang und 13 - 26 km breit.

Trotz Mulikacke erreichen wir gegen Mittag das 3 Meilen Haus (1 Meile = 1.6 km), das klingt erstmal nach nicht viel, wir sind aber etwa 644 m nach unten gelaufen - was mir Sorgen macht ist, dass wieder hochlaufen müssen. Während wir rasten ziehen sich die Wochen zusammen und die Cummulus Wolken werden immer höher - wir vermuten, dass es bald gewittert und beschließen umzukehren. Kurz nachdem Verlassen des 3 Meilen Hauses, die ersten Blitze, Donner und Regen. Ahhh, schön kühl! Wir freuen uns über den Schatten.

Uiuiui, der Aufstieg ist haarig. Am Anfang denke ich noch "och, super, geht das schnell" aber je näher man dem Rand kommt, desto dünner wird die Luft (der Rand liegt etwas über 2000 m). Schnauf, schnauf, schnauf...mit mehreren Pausen und ganz langsam gehen schaffe ich es dann doch: 2 Stunden runter und 2 3/4 Stunden rauf mit 1 Stunde Pause in der Mitte. Es ist früher Nachmittag und jetzt?

Wir entscheiden uns für einen gutes amerikanisches Essen im Restaurant der Bright Angel Lodge. Bevor wir dort ankommen sehen wir noch einige Condore über dem Canyon Rand kreisen: liegt da unten ein Tourist? Das sind wirklich große Vögel, sie sehen schon häßlich aus, können aber gut fliegen - das sieht dann sehr elegant aus (ganz anders als ein Tourist auf nem Muli)! *Neid*


(Der Condor hat Hunger auf Touris auf Mulis?)

Statt Touri-Aas gibt es für uns einen Angus Burger und ein Roast Beef Sandwich mit French Fries, hmmmm. Die Portion ist wieder zu groß zum Aufessen. Puh.

Von Las Vegas bis zum Grand Canyon

Vorvorgestern haben wir Las Vegas verlassen, an einem Tag an dem es so unglaublich heiß war, dass es selbst im Auto bei maximal eingestellter Klimaanlage so warm war, dass man beim bloßen Rumsitzen geschwitzt hat!

Gleich hinter Las Vegas liegt der Hoover Damm, ein Staudamm, der bis 1935 gebaut wurde. Etwa 5000 Männer arbeiteten durchgegehend an diesem Staudamm, ungefähr 96 starben bis zur Fertigstellung. Nach der Schließung des Damms bildete sich der Lake Mead, der sehr schnell zum Naherholungsgebiet von Las Vegas erklärt wurde. Ich hatte in einer Broschüre gelesen, das gespeicherte Wasser wird zum Teil auch an Mexiko verkauft. Man kann direkt über den Staudamm fahren - die muskulösen Männer-Flügel-Statuen lassen Naziästetik vermuten.

Weiter auf der Interstate 40 durch die Wüste, es geht aber stetig höher und schließlich sind wir auf einem Hochplateau, es regnet und gewittert und man kann die Blitze erst in der Ferne beobachten, bis man selber in das Gewitter hineinfährt. Ich bin froh, dass es kälter ist, ich hattte schon befürchtet wir wandern bei Backofentemperaturen im Canyon.

Pünktlich zum Sonnenuntergang erreichen wir den Grand Canyon. André sagt nicht illern. Ich tu's aber trotzdem von der Strasse aus sieht man die obersten, hellen Gesteinsschichten am Nordrand des Canyons und man sieht, sie sind wirklich weit weg.

Wir halten am Mather Point und treten von den Büschen hinaus auf die Aussichtsplattform und ... ... ... ... ...ooooooooh!

Wahnsinn, vor einem liegt dieser riesige weite Canyon und erst sieht man wie breit der ist und dann sieht man wie tief der ist und von all den Details da unten wird einem ganz schwindlig und dann sieht man die vielen kleinen Schluchten und alles ist rot und dann geht auch noch die Sonne hinter unserem Rücken unter und die Felsen leuchten orange auf, dann rot und sie werfen lange Schatten auf andere Felsen und dann werden sie, wenn die Sonne weg ist lila und grau... oooooooooh. Und dann sind da noch die Wolken. Sie leuchten orange und rosa und als Las Vegas Geschädigter denkt man ist das kitschig? Naja, ein bißchen schon. Aber schön.

So was hab ich wirklich noch nie gesehen! Ich kann's kaum abwarten in den Canyon runterzusteigen!


(Sonnenuntergang am Mather Point)